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AG München – Anfechtungsrecht bei irrtümlichem Sofortpreisverkauf für 1 Euro

Das AG München hat mit Urteil
vom 09.03.2017, Az. 274 C 21792/16
 entschieden, dass eine Anfechtung des Verkäufers bei
eBay wegen eines Erklärungsirrtums möglich ist, wenn irrtümlich statt einer
Auktion mit einem Startpreis von 1 EURO ein Sofortkaufpreis-Angebot für 1 Euro
eingestellt wird. Voraussetzung für eine wirksame Anfechtung ist, dass diese
unverzüglich erfolgt und wies nach mündlicher Verhandlung dieKlage auf
Schadensersatz wegen Nichterfüllung eines über Ebay geschlossenen Kaufvertrags
zurück.

Leitsätze:
1. Wer bei e-Bay einen Koffer mit einem Marktwert zwischen
300,00 € und 700,00 € zu einem Preis von 1,00 € anbietet, gibt kein
annahmefähiges Angebot ab, da der angebotene Kaufpreis bei verständiger
Auslegung für jeden erkennbar nicht gewollt und unzutreffend ist. (Rn. 15)
(redaktioneller Leitsatz)
2. Klickt der Verkäufer bei e-Bay versehentlich auf
„Verkauf“ anstelle von „Auktion“, so ist er berechtigt, seine Willenserklärung
wegen Erklärungsirrtums nach § 119 Abs. 1 Alt. 2 BGB anzufechten. (Rn. 16 – 19)
(redaktioneller Leitsatz)

Rechtsmittelinstanz:

Tenor
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Der Kläger hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.
3. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Der Kläger kann
die Vollstreckung des Beklagten durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des
aufgrund des Urteils vollstreckbaren Betrags abwenden, wenn nicht der Beklagte
vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 110 % des zu vollstreckenden
Betrags leistet.

Beschluss
Der Streitwert wird auf 699,00 € festgesetzt.

Tatbestand
Die Parteien streiten über Schadensersatz aufgrund
Nichterfüllung eines über e-Bay geschlossenen Kaufvertrags sowie Portokosten
und außergerichtliche Rechtsanwaltsgebühren.
Am 16.06.2016 stellte der Beklagte über die
Internetplattform „e-Bay“ einen Koffer zum Sofortkaufpreis von 1,00 € ein. Kurz
darauf nahm der Kläger dieses Angebot an und teilte dem Beklagten anschließend
mit, er wolle den Kaufvertrag nun abwickeln. Daraufhin antwortete der Beklagte
noch am selben Tag wie folgt:
„Sorry, das war als eine Auktion gedacht!
Leider waren Sie schneller, wie ich den Fehler merkte!
Ich werde es von meiner Seite Annulieren, da sie die Zeit
der geboten haben wie es bearbeitet wurden ist.
Gruß …“
Der Beklagte wurde vom Kläger und seinem Prozessbevollmächtigten
in der Folge aufgefordert, den Koffer Zug um Zug gegen Zahlung des Kaufpreises
herauszugeben, worauf der Beklagte nicht reagierte. Schließlich trat der Kläger
vom Kaufvertrag zurück und verlangt nunmehr Ersatz des Nichterfüllungsschaden
in Höhe von 699,00 €, wobei er von einem Wert vergleichbarer Koffer von 700,00
€ ausgeht.
Zum Ausgleich dieser Forderung wurde der Beklagte durch den
Klägervertreter mit Fristsetzung zum 25.07.2016 durch Schreiben vom 14.07.2016
aufgefordert. Der Beklagte hat nicht gezahlt.
Der Kläger trägt noch vor, durch die Einreichung des
Mahnbescheidantrags seien ihm Portokosten in Höhe von 1,45 € entstanden, die
der Beklagte zu ersetzen habe. Außerdem habe der Beklagte die vorgerichtlichen
Rechtsanwaltsgebühren in Höhe von 147,56 € zu bezahlen.
Der Kläger beantragt:
Der Beklagte wird verurteilt, an den Kläger einen Betrag in
Höhe von 699,00 € nebst 5 Prozentpunkten Zinsen über dem jeweiligen
Basiszinssatz seit dem 18.09.2016 zu zahlen.
Der Beklagte wird verurteilt, dem Kläger die angefallenen
Kosten für Vordruck/Porto in Höhe von 147,56 € zu erstatten.
Der Beklagte wird verurteilt, dem Kläger die
außergerichtlich angefallenen Rechtsanwaltskosten in Höhe von 147,56 € zu
erstatten.
Der Beklagte beantragt:
Die Klage wird abgewiesen.
Der Beklagte behauptet, ihm sei bei der Erstellung der
Angebots ein Fehler unterlaufen. Er habe eine „Auktion“ mit einem Startpreis
von 1,00 € erstellen wollen und nicht den Koffer zum Festpreis von 1,00 €
anbieten wollen. Die Ursache liege darin begründet, dass die Knöpfe für beide
Verkaufsarten derart angeordnet seien, dass eine Verwechslung möglich sei. Der
Beklagte habe den Koffer, der einen Zeitwert zwischen 300,00 € und 400,00 €
habe, niemals für nur 1,00 € verkaufen wollen.
Der Beklagte ist der Ansicht, die oben im Wortlaut
wiedergegebene Mitteilung habe als Anfechtung den Kaufvertrag zum erlöschen
gebracht.
Beweis wurde erhoben durch Inaugenscheinnahme der
„e-Bay“-Internetseite und durch formlose Anhörung des Beklagten. Insoweit wird
auf das Protokoll der mündlichen Verhandlung verwiesen.
Zur Ergänzung des Tatbestands wird im Übrigen auf die
gewechselten Schriftsätze samt Anlagen verwiesen.
Entscheidungsgründe
I.
Die zulässige Klage ist unbegründet.
Der Kläger hat keinen Anspruch auf Zahlung des geltend
gemachten Schadensersatzes, da bereits kein Kaufvertrag zustande gekommen ist
bzw. dieser jedenfalls vom Beklagten wirksam angefochten wurde. Nebenforderung
scheiden mangels Anspruch in der Hauptsache aus.
Es ist bereits kein Kaufvertrag zustande gekommen, da keine
übereinstimmenden Willenserklärungen vorliegen. Das vom Beklagten stammende
Angebot ist bei verständiger Auslegung mehrdeutig und daher nicht annahmefähig:
Entscheiden bei der Auslegung einer Willenserklärung ist der
sogenannte objektive Empfängerhorizont, d.h. die Willenserklärung ist so zu
verstehen, wie sie ein verständiger Empfänger in der Position des Klägers
verstehen durfte. Vordergründig hat der Beklagte zwar den Koffer zum Preis von
1,00 € angeboten. Es ist jedoch so offensichtlich, dass es sich hierbei nur um
einen Irrtum handeln kann, dass dies auch der Kläger bzw. ein objektiver
Empfänger in der Lage des Klägers erkennen musste. Schließlich stellt dieser
Kaufpreis nur einen winzigen Bruchteil des von beiden Parteien vorgetragenen
Wert des Koffers zwischen 300,00 € und 700,00 € dar. Der Verkauf zu einem Euro
stellt sich wirtschaftlich als Schenkung dar. Es handelt sich bei e-Bay
bekanntermaßen aber nicht um eine Plattform, auf der etwas verschenkt wird. Der
angebotene Kaufpreis war für jeden erkennbar nicht gewollt und unzutreffend.
Mangels weiterer Angaben kann kein tatsächlich angebotener Kaufpreis ermittelt
werden.
Im Übrigen hätte der Beklagte einen als zustandegekommen
unterstellten Kaufvertrag durch seine Erklärung vom 16.06.2016 wirksam
angefochten, so dass dieser als von Anfang an nichtig anzusehen ist, § 142 Abs.
1 BGB.
Das Gericht ist aufgrund der persönlichen Anhörung des
Beklagten, seiner Mitteilung an den Kläger sowie der Inaugenscheinnahme der
Internetseite e-Bay davon überzeugt, dass der Beklagte tatsächlich einem zu
Anfechtung berechtigenden Erklärungsirrtum i.S.v. § 119 Abs. 1 Alt. 2 BGB
unterlag, als er sein Angebot einstellte:
Die Schilderungen des Beklagten zur Erstellung des Angebot
waren sehr detailreich, in sich schlüssig und komplett nachvollziehbar. Nach
Inaugenscheinnahme der Website erscheint es dem Gericht durchaus möglich, dass
ein Fehler wie vorliegend passiert. Zum einen liegen die entsprechenden Eintragsfelder
bzw. Buttons eng neben- oder übereinander, so dass eine Verwechslung möglich
ist. Zudem wechselt e-Bay offenbar häufig die genaue Gestaltung, so dass auch
erfahrene Nutzer den Überblick verlieren können. Schließlich spricht auch die
sofortige Reaktion des Beklagten in seiner Mitteilung an den Kläger für die
Wahrheitsgemäßheit seiner Angaben.
Die Anfechtungserklärung genügt den Anforderungen des § 143
Abs. 1 BGB, insbesondere ist kommt hinreichend klar zum Ausdruck, dass der
Beklagte aufgrund eines Irrtums an dem Vertrag nicht festhalten will: Der
Beklagte teilt ausdrücklich mit, dass das Angebot als Auktion gedacht war,
spricht statt „Irrtum“ von „Fehler“ und von „annulieren“ statt „anfechten“. Die
Verwendung der richtigen juristischen Terminologie ist für die Wirksamkeit
einer Anfechtungserklärung nicht erforderlich.
II.
Als unterlegene Partei trägt der Kläger die Kosten, § 91
ZPO.
III.
Die vorläufige Vollstreckbarkeit ergibt sich aus §§ 708 Nr.
11, 711 ZPO.
IV.
Der Streitwert entspricht der Höhe der Hauptforderung, § 3
ZPO.

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AG Dortmund – Kauf von Konzertkarten im Internet über eine Ticketbörse

Das Amtsgericht Dortmund hat mit Urteil
vom 19.07.2018, Az. 425 C 970/18
entschieden, dass beim Abschluss von
Kaufverträgen über Konzertkarten bei einem holländischen Tickethändler das
deutsche Recht anwendbar ist. Das Angebot um Erwerb von Konzertkarten auf einer
Internetseite eines Tickethändlers stellt lediglich eine Einladung zur Offerte
dar. Der Kunde gibt über die Auswahl der Karten das Angebot auf Vertragsschluss
ab. Die Annahme des Angebots erfolgt durch das Bestätigungsschreiben des
Tickethändlers.
Das Amtsgericht Dortmund setzte sich im Zusammenhang mit dem
Kauf von Konzertkarten im Internet über eine Ticketbörse einerseits mit der
Frage auseinander, ab welchem Zeitpunkt der Kaufvertrag als abgeschlossen gilt
und entschied andererseits, ob Plätze im Oberrang die zugesicherte „Super
Sicht“ auch tatsächlich erfüllen.
Der Zusatz in der Bestätigung „Super Sicht“ ist eine
zugesicherte Eigenschaft. Plätze im Oberrang ca. 90 Grad zur Bühne haben
zumindest keine „Super Sicht“, unabhängig davon, ob die Sicht konkret
beschränkt ist.
Leitsätze:
1.      
Auf den Kaufvertrag über Konzertkarten bei einem
holländischen Tickethändler ist deutsches Recht anwendbar.
2.      
Das Angebot um Erwerb von Konzertkarten auf
einer Internetseite eines Tickethändlers stellt lediglich eine invitatio ad
offerendum dar.
3.      
Der Kunde gibt über die Auswahl der Karten das
Angebot auf Vertragsschluss ab.
4.      
Die Annahme des Angebots erfolgt durch das
Bestätigungsschreiben des Tickethändlers.
5.      
Der Zusatz in der Bestätigung „Super Sicht“ ist eine
Beschaffenheitsvereinbarung.
6.      
Plätze im Oberrang ca. 90 Grad zu Bühne haben
zumindest keine „Super Sicht“, unabhängig davon, ob die Sicht konkret
beschränkt ist.

Tenor:
Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 305,50 € nebst
Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit
dem 04.12.2017 Zug um Zug gegen Übergabe zweier Konzerttickets für die
Veranstaltung Depeche Mode, 15.01.2018, 20:00 Uhr, Lanxess Arena Köln,
Ticketnummern #####/#### DE und #####/#### DE zu zahlen.
Die Beklagte wird verurteilt, den Kläger von den
außergerichtlichen Rechtsanwaltsgebühren seiner Prozessbevollmächtigten in Höhe
von 83,54 € freizustellen.
Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Beklagte.
Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.
Die Berufung wird nicht zugelassen

Tatbestand:
Der Kläger wohnt in Dortmund und ist Erwerber zweier Karten
mit den Ticketnummern #####/#### DE und #####/#### DE   für das Konzert der Band „Depeche Mode“ am
15.01.2018 um 20:00 Uhr in der Lanxess Arena in Köln.
Die Beklagte ist Betreiberin der Internetseite
www.ticketbande.de und handelt unter anderem mit Konzertkarten. Sie hat ihren
Geschäftssitz in den Niederlanden.
Am 14.09.2017 besuchte der Kläger die Internetseite der
Beklagten und buchte zwei nebeneinander liegende Sitzplätze für das oben
bezeichnete Konzert zu einem Gesamtpreis von 298,00 € (149,00 € pro Karte)
zuzüglich einer Zustellgebühr von 7,50 €.
Mit E-mail vom 14.09.2017 schrieb die Beklagte dem Kläger,
dass sein Auftrag bearbeitet wird und bestätigte diesen Auftrag, vorbehaltlich
einer rechtzeitigen Zahlung, verbindlich.
In dieser E-mail wurde die gebuchte Veranstaltung wie folgt
umschrieben: „ Depeche Mode, 15.01.2018, 20:00 Uhr, Lanxess Arena Köln,
Sitzplatz Tribüne – Super Sicht – Plätze sind Nebeneinander“.
Nach Erhalt dieser E-mail bezahlte der Kläger den
Gesamtpreis zuzüglich der Zustellgebühr in Höhe von 305,50 €. Daraufhin
übersandte die Beklagte dem Kläger zwei Konzertkarten mit dem Aufdruck: „ 604
Eingang Nord, seitlich der Bühne, eingeschränkte Sicht“.
Der Block 604 befindet sich -laut Saalplan- auf dem
Oberrang, seitlich, fast auf Höhe der Bühne.
Der Kläger forderte nun die Beklagte auf ihm Karten mit den
Merkmalen „Sitzplatz- Tribüne- Super Sicht- Plätze sind nebeneinander“ zu
übersenden. Diese Aufforderung lehnte die Beklagte mit E-mail vom 25.09.2017
mit dem Hinweis ab, er habe die Konzertkarten übersandt bekommen, die er auch bestellte.
Daraufhin forderte der Kläger per E-mail die Beklagte unter
Fristsetzung bis zum 14.10.2017 auf, die gewünschten Karten zu liefern oder ihm
den gezahlten Preis zu erstatten. Er erklärte ferner, dass er ansonsten die
Angelegenheit seinem Rechtsanwalt übergeben werde.
Unter dem 25.10.2017 forderte der Kläger die Beklagte
fruchtlos unter Fristsetzung bis zum 08.11.2017 durch Schreiben seiner
Bevollmächtigten im außergerichtlichen Verfahren auf, ihm die Konzertkarten mit
den Merkmalen „Sitzplatz- Tribüne- Super Sicht- Plätze sind nebeneinander“ zu
übersenden.
Der Kläger erklärte gegenüber der Beklagten mit Schreiben
seiner Bevollmächtigten im außergerichtlichen Verfahren vom 17.11.2017 den
Rücktritt vom Kaufvertrag und forderte unter Fristsetzung bis zum 01.12.2017
zur Rückzahlung Gesamtpreises in Höhe von 305,50 € auf. Die Rückzahlung
erfolgte nicht.
Der Kläger behauptet, er habe durch Anklicken des Saalplans
auf der Internetseite der Beklagten zwei Sitzplätze gegenüber der Bühne, also
mit frontaler Sicht auf diese, gebucht. Der Kläger ist der Ansicht, er habe die
Karten mit den Merkmalen „Sitzplatz Tribüne – Super Sicht – Plätze sind
Nebeneinander“ erworben.
Der Kläger beantragt,
die Beklagte zu verurteilen, an den Kläger 305,50 € nebst
Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit
dem 04.12.2017 Zug um Zug gegen Übergabe zweier Konzerttickets für die
Veranstaltung Depeche Mode, 15.01.2018, 20:00 Uhr, Lanxess Arena Köln,
Ticketnummern #####/#### DE und #####/#### DE zu zahlen,
die Beklagte zu verurteilen, 
den Kläger von den außergerichtlichen Rechtsanwaltsgebühren seiner
Verfahrensbevollmächtigten in Höhe von               83,54 € freizustellen.
Die Beklagte beantragt,
                                          die
Klage abzuweisen.
Die Beklagte behauptet, der Kläger habe nicht zwei
Sitzplätze gegenüber der Bühne mit frontaler Sicht auf ebendiese gebucht,
sondern lediglich zwei nebeneinander liegende Sitzplätze der Kategorie
„Sitzplatz Tribüne“. Diese Buchung habe der Kläger durch anklicken der
gewünschten Kategorie vorgenommen. Bei anklicken der Kategorie leuchten die
Plätze dieser Kategorie auf dem Saalplan auf. Durch Anklicken des Saalplans
selbst könne nicht gebucht werden. Von den gebuchten Sitzplätzen habe man in
dem gewünschten Konzert einen direkten, ungehinderten Blick auf die Bühne
gehabt.
Die Beklagte ist der Ansicht, die Beschreibung „Super Sicht“
in ihrer E-mail vom 14.09.2017 solle nur dem Kunden signalisieren, dass er eine
gute Sicht habe und diene der Steigerung der Vorfreude bei diesem.
Wegen des weiteren Parteivorbringens wird auf den
vorgetragen Inhalt der gewechselten Schriftsätze Bezug genommen.
Entscheidungsgründe:
Die zulässige Klage ist begründet.
Das Amtsgericht Dortmund ist insbesondere nach § 29 Abs. 1
ZPO örtlich zuständig, da bei Ansprüchen aus einem Rückgewährverhältnis gemäß
§§ 437 Nr. 2, 440, 346 BGB der Erfüllungsort der Ort ist, an dem sich die Sache
vertragsgemäß befindet, was hier der Wohnsitz des Klägers ist.
I.
Dem Kläger steht ein Anspruch auf Rückzahlung eines Betrages
in Höhe von 305,50 € Zug um Zug gegen Übergabe der übersendeten Konzerttickets
für die Veranstaltung Depeche Mode, am 15.01.2018, 20:00 Uhr in der Lanxess
Arena in Köln zu, §§ 346 ff., 434 Abs. 1, 437 Nr. 2, 440, 323 BGB.
Deutsches Recht ist nach Art. 6 Abs. 1 Buchstabe a) Rom I VO
in Verbindung mit Art. 3 Nr. 1 Buchstabe b) EGBGB anwendbar, weil es sich bei
dem Kläger um einen Verbraucher handelt und bei der Beklagten um eine
Unternehmerin. Aus diesem Grund ist auch das UN-Kaufrecht nicht anwendbar, Art.
2 Buchstabe a) CISG.
Der vom Kläger mit Schreiben vom 17.11.2017 gegenüber der
Beklagten erklärte Rücktritt von dem zwischen den Parteien zustande gekommenen
Kaufvertrag über die streitgegeständlichen Konzertkarten ist wirksam.
Die Konzertkarten weisen einen Mangel im Sinne des § 434
Abs.1 Satz 1 BGB auf, da die Karten bei Gefahrübergang nicht die vereinbarte
Beschaffenheit haben.
Die Parteien schlossen am 14.09.2017 einen Kaufvertrag über
zwei Konzertkarten für das streitgegenständliche Konzert mit der Beschaffenheit
„Sitzplatz Tribüne – Super Sicht – Plätze sind Nebeneinander“.
Mit der über ihre Internetseite bereit gestellten
Buchungsmaske bedient sich die Beklagte eines Tele- oder Mediendienstes, den
potentielle Kunden individuell elektronisch zum Zwecke einer Bestellung abrufen
können und mit dem diese ihre Bestellung auch wiederum elektronisch an die
Beklagte übermitteln können.
Das Zustandekommen eines Vertrages auf elektronischem X
richtet sich mangels einer besonderen Regelung nach den allgemeinen
Vorschriften der §§145 ff. BGB.
Entgegen der Auffassung der Beklagten handelt es sich bei
den über ihre Buchungsmaske buchbaren Konzertkarten nicht um ein verbindliches
Angebot nach § 145 BGB. Das Bereitstellen der Buchungsmöglichkeit auf der
Internetseite der Beklagten stellt vielmehr eine Aufforderung zur Abgabe von
Angeboten (sog. Invitatio ad offerendum) dar, da der Betreiber der
Internetseite regelmäßig zunächst überprüft, ob sein Vorrat ausreicht und die
Gelegenheit haben muss zu untersuchen, ob gegen den interessierten Kunden
Bedenken jedweder Art bestehen. Dieses System hat sich bisher im Bereich des
Internetkaufs im Allgemeinen sowie beim Kartenkauf im speziellen etabliert, so
dass der Kläger als zukünftiger Kunde nach Treu und Glauben davon ausgehen
muss, dass seine Bestellung über die Buchungsmaske noch durch den Kartenhändler
angenommen werden muss (Palandt/Ellenberger, § 145 Rn.2 m.w.N). Demzufolge gibt
der Kläger durch das Anklicken der gewünschten Kartenkategorie sein Angebot für
die Konzertkarten ab.
Die Annahme des Vertragsschlusses erfolgt in Form der
Bestätigungsnachricht durch die E-mail vom 14.09.2017, unter der Bedingung der
rechtzeitigen Kaufpreiszahlung, § 158 Abs. 1 BGB.
Da die Annahmeerklärung inhaltlich eine vorbehaltlose
Bejahung des Angebots darstellt (Palandt/Ellenberger §147 Rn.1), ist die
Eigenschaft „Super Sicht“ Vertragsbestandteil geworden.
Entgegen der Ansicht der Beklagten dient die Beschreibung
„Super Sicht“ nicht lediglich dazu, dem Kunden zu signalisieren, dass er eine
gute Sicht habe und um dadurch seine Vorfreude zu steigern. Vielmehr ist in der
E-mail die Rede davon, dass man die aufgeführten Eigenschaften „verbindlich
bestätigen“ möchte. Neben der Eigenschaft „Super Sicht“ ist die spielende
Musikgruppe, der Termin der Veranstaltung, der Veranstaltungsort, die gebuchte
Sitzplatzkategorie, die Anzahl der Karten, der Preis der einzelnen Karte, der
Gesamtpreis der Karten sowie die Höhe der sogenannten Zustellgebühr enthalten.
Diese Merkmale sind alle Vertragsbestandteil geworden. Es ist deshalb für das
Gericht nicht nachvollziehbar, warum einzig die Eigenschaft „Super Sicht“ nicht
Vertragsbestandteil sein soll, denn insbesondere die Sicht auf die Bühne ist
gerade bei Konzertbesuchen ein wichtiges Kriterium.
Selbst wenn man unterstelle, die Eigenschaft „Super Sicht“
habe der Kläger auf der Internetseite nicht gebucht, wäre die Annahmeerklärung
durch die Beklagte vom 14.09.2017 eine abändernde Annahme im Sinne des § 150
Abs. 2 BGB und stelle einen neuen Antrag mit dem Inhalt „Super Sicht“ dar.
Diesen Antrag hätte der Kläger wiederum durch Kaufpreiszahlung konkludent
angenommen.
Die durch die Beklagte gelieferten Karten sind mangelhaft,
da sie die Eigenschaft „eingeschränkte Sicht“ haben, was die Parteien nicht
vereinbarten, § 434 Abs. 1 S. 1 BGB.
Dass die Beklagte behauptet, man hatte von den Sitzplätzen,
für die die Karten geliefert wurden, in diesem Konzert eine ungehinderte
direkte Sicht auf die Bühne, kann dahinstehen.
Aus dem Saalplan ergibt sich, dass die Besucher von diesen
Plätzen jedenfalls keine „Super Sicht“ auf die Bühne haben, da sich die
Sitzplätze seitlich zur Bühne, auf dem Oberrang und auf der Höhe der Bühne
befinden, sodass diese Sicht, selbst bei ungehindertem direktem Blick auf die
Bühne, lediglich einen seitlichen Blick darstellt, der  nicht als 
hervorragend oder besonders gut angesehen werden kann, so dass man die
Sicht als „super“ bezeichnen könnte.
Das Kriterium „Super Sicht“ verlangt letztendlich mehr, als
nur eine ungehinderte Sicht auf die Bühne zu haben, vielmehr kommt es darauf
an, aus welcher Höhe und aus welchem Blickwinkel man auf die Bühne -ungehindert-
schauen kann.
Entscheidend ist vor allem, ob man eine frontale oder eine
seitliche Sicht auf die Bühne hat.
Es handelt sich vorliegend auch nicht um einen unerheblichen
Mangel zum Zeitpunkt der Rücktrittserklärung, § 323 Abs. 5 S. 2 BGB.
Der Kläger hat auch eine hinreichende Frist vor dem
Rücktritt gesetzt, § 323 Abs. 1 BGB.
Mit Schreiben vom 25.10.2017 hat der Kläger eine
vierzehntägige Frist bis zum 08.11.2017 gesetzt.
Er erklärte mit Schreiben vom 17.11.2017 den Rücktritt.
Diese Frist ist fruchtlos verstrichen.
Aufgrund des wirksamen Rücktritts sind gemäß § 346 Abs. 1
BGB die empfangenen Leistungen zurück zu gewähren.
Im Gegenzug hat der Kläger der Beklagten die
streitgegenständlichen Konzertkarten zurückzugeben, § 348 BGB.
II.
Dem Kläger steht ein Zinsanspruch aus §§ 288, 286 BGB zu. Ab
04.12.2017 befand sich die Beklagte mit ihrer Leistung im Verzug. Die Beklagte
forderte bereits in ihrer E-mail Korrespondenz mit der Beklagten im September
2017 diese erfolglos zur Leistung auf.
Das Verschulden wird nach § 286 Abs. 4 BGB vermutet.
III.
Der Kläger hat gegen die Beklagte einen Anspruch ihn von den
außergerichtlichen Rechtsanwaltsgebühren seiner Prozessbevollmächtigten
freizustellen, §§ 286, 280 Abs. 2 BGB. Die entstandenen Kosten sind aus Sicht
des Klägers zur Wahrnehmung und Durchsetzung seiner Rechte erforderlich und
zweckmäßig, denn der Kläger muss eine weitere Verzögerung der Erfüllung seiner
Forderung nicht hinnehmen (BGH NJW 2015, 3793 ff.).
IV.
Die prozessualen Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 91, 708
Nr. 11, 711, 713 ZPO. Die Berufung war nicht zuzulassen, da die gesetzlichen
Voraussetzungen hierfür nicht vorlagen.
Rechtsbehelfsbelehrung:
Gegen dieses Urteil ist das Rechtsmittel der Berufung für
jeden zulässig, der durch dieses Urteil in seinen Rechten benachteiligt ist,
1. wenn der Wert des Beschwerdegegenstandes 600,00 EUR
übersteigt oder
2. wenn die Berufung in dem Urteil durch das Amtsgericht
zugelassen worden ist.
Die Berufung muss innerhalb einer Notfrist von einem Monat
nach Zustellung dieses Urteils schriftlich bei dem Landgericht Dortmund,
L-Straße, 44135 Dortmund, eingegangen sein. Die Berufungsschrift muss die
Bezeichnung des Urteils, gegen das die Berufung gerichtet wird, sowie die
Erklärung, dass gegen dieses Urteil Berufung eingelegt werde, enthalten.
Die Berufung ist, sofern nicht bereits in der
Berufungsschrift erfolgt, binnen zwei Monaten nach Zustellung dieses Urteils
schriftlich gegenüber dem Landgericht Dortmund zu begründen.
Die Parteien müssen sich vor dem Landgericht Dortmund durch
einen Rechtsanwalt vertreten lassen, insbesondere müssen die Berufungs- und die
Berufungsbegründungsschrift von einem solchen unterzeichnet sein.
Mit der Berufungsschrift soll eine Ausfertigung oder
beglaubigte Abschrift des angefochtenen Urteils vorgelegt werden.